Kontaktlinsen bieten gegenüber Brillen mehr Bewegungsfreiheit und ein natürlicheres Sichtfeld, erfordern aber eine sorgfältige Pflege und Hygiene. Fehler in der Handhabung zählen zu den häufigsten vermeidbaren Ursachen für Augenreizungen und Infektionen. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Grundregeln zusammen, die unabhängig vom jeweiligen Linsentyp gelten.
Warum Hygiene bei Kontaktlinsen besonders wichtig ist
Kontaktlinsen liegen direkt auf der empfindlichen Augenoberfläche auf, wodurch selbst kleine Hygienefehler unmittelbar Auswirkungen haben können. Anders als bei einer Brille gibt es hier keine schützende Distanz zum Auge — Sorgfalt bei der täglichen Handhabung ist daher besonders entscheidend.
Handhygiene: der wichtigste erste Schritt
Hände sollten vor jedem Einsetzen und Herausnehmen der Linsen gründlich mit Seife gewaschen und mit einem fusselfreien Handtuch abgetrocknet werden. Diese einfache Maßnahme reduziert das Risiko einer Übertragung von Keimen auf die empfindliche Augenoberfläche erheblich.
Grundregeln, die sich schnell zur Gewohnheit machen lassen
Die meisten Pflegefehler entstehen nicht aus Unwissenheit, sondern aus Bequemlichkeit im Alltag. Wer die grundlegenden Regeln einmal fest in die tägliche Routine integriert, reduziert das Risiko für Reizungen und Infektionen erheblich, ohne dass die Handhabung der Linsen dadurch spürbar aufwendiger wird.
Reinigung und Aufbewahrung
Wiederverwendbare Kontaktlinsen müssen nach jedem Tragen mit der geeigneten Pflegelösung gereinigt werden — niemals mit Leitungswasser, das Mikroorganismen enthalten kann, die zu schweren Augeninfektionen führen können. Der Aufbewahrungsbehälter sollte regelmäßig gereinigt und in empfohlenen Abständen komplett ausgetauscht werden.
Tragedauer und Wechselintervalle einhalten
Ob Tages-, Wochen- oder Monatslinsen: Die vom Hersteller angegebenen Wechselintervalle sollten unbedingt eingehalten werden, auch wenn die Linsen noch komfortabel erscheinen. Eine Überschreitung der empfohlenen Tragedauer erhöht das Risiko für Ablagerungen, Reizungen und Infektionen deutlich.
Niemals mit Linsen schlafen (außer explizit dafür zugelassen)
Das Schlafen mit Kontaktlinsen reduziert die Sauerstoffversorgung der Hornhaut erheblich und zählt zu den größten Risikofaktoren für Hornhautinfektionen. Nur bestimmte, speziell dafür zugelassene Linsentypen sind für das durchgehende Tragen über Nacht geeignet — und auch dann nur nach ausdrücklicher Empfehlung durch eine Fachperson.
Kontaktlinsen und Wasser: eine riskante Kombination
Duschen, Schwimmen oder Baden mit Kontaktlinsen erhöht das Risiko einer seltenen, aber schwerwiegenden Infektion durch Akanthamöben — Mikroorganismen, die im Leitungswasser sowie in Seen und Schwimmbädern vorkommen können. Es empfiehlt sich, Linsen vor jedem Kontakt mit Wasser herauszunehmen.
Warnsignale, die ernst genommen werden sollten
Rötung, Schmerzen, ungewöhnliche Lichtempfindlichkeit, verschwommenes Sehen oder vermehrter Ausfluss beim Tragen von Kontaktlinsen sind Anzeichen, bei denen die Linsen sofort entfernt und eine augenärztliche Abklärung in Anspruch genommen werden sollte — auch außerhalb der regulären Sprechzeiten, falls die Beschwerden stark sind.
Die richtige Linsenart wählen
Ob weiche oder formstabile (harte) Linsen, Tages- oder Monatslinsen die geeignetere Wahl sind, hängt von individuellen Faktoren ab: Tränenfilmqualität, Tragekomfort, Sehstärke und persönliche Gewohnheiten spielen dabei eine Rolle. Formstabile Linsen bieten oft eine schärfere Abbildung bei bestimmten Hornhautformen, während weiche Linsen meist als angenehmer im Tragekomfort empfunden werden.
Kontaktlinsen und Make-up
Beim Umgang mit Kosmetika empfiehlt es sich, die Linsen vor dem Auftragen von Make-up einzusetzen und vor dem Abschminken zu entfernen, um einen direkten Kontakt mit Kosmetikpartikeln zu vermeiden. Wasserfeste Mascara und ölhaltige Produkte in Augennähe können zudem die Linsenoberfläche beeinträchtigen und sollten mit Bedacht gewählt werden.
Regelmäßige Kontrollen trotz Beschwerdefreiheit
Auch ohne akute Probleme sollten Kontaktlinsenträger regelmäßige augenärztliche Kontrollen wahrnehmen, um die Verträglichkeit der Linsen und den Zustand der Augenoberfläche zu überprüfen. Die Passform und Stärke der Linsen sollten dabei ebenfalls in angemessenen Abständen neu beurteilt werden.
Reservebrille griffbereit halten
Auch bei regelmäßigem Kontaktlinsentragen empfiehlt es sich, stets eine aktuelle Reservebrille griffbereit zu haben. Bei einer Augenreizung, einem Infekt oder einfach an Tagen, an denen die Augen zusätzliche Erholung brauchen, ermöglicht dies einen unkomplizierten Wechsel, ohne auf eine gute Sehkorrektur verzichten zu müssen.
Hinweis
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine augenärztliche Beratung. Die Eignung und richtige Handhabung von Kontaktlinsen sollte individuell mit einer qualifizierten Fachperson besprochen werden.